Das Internet… Unendliche Weiten. Inmitten der Wirren dieser so undurchdringlichen Galaxie existiert ein kleines, aber ständig wachsendes System namens Web 2.0.
In diesem System leben die klügsten und fortschrittlichsten aller Völker. Das glauben zumindest die Bewohner von Web 2.0. Das diese Arroganz von vielen anderen Völkern nicht gern gesehen wird, versteht sich von selbst.
Vorallem das Alt-ehrwürdige Volk von Desktop Programmus und das stolze, aber eigenbrödlerische Volk der Perlianer sehen im Treiben des Web 2.0 Sektors nichts als eine große Blase, die bald in einer gewaltigen Supernova ihr jähes Ende finden wird.
Doch außer missgünstigen Blicken ihrer Nachbarn muss die selbsternannte Hochkultur nichts befürchten.
Denn auch für diese Kultur gelten die selben Gesetze, wie für jede andere Kultur und jedes System. Eines Tages richtet sich doch alles selbst zu Grunde.
Aber noch sind wir im Jahr 2008 und den Web 2.0 Bewohnern geht es gut in ihren pompös errichteten Frameworkhochhäusern, in ihren exquisit ausgewählten XML Möbeln und mit ihren auf hochglanz polierten (natürlich mit AJAX gereinigten) JSON-Vehikeln mit denen sie am Wochenende die MashUps rauf und runter cruisen um ein kleines Lächeln der YouTube Damen zu erhaschen die in ihren Social Network Cafes nur darauf warten einen finanzpotenten Übernahmepartner zu finden.
Aber wenn man einmal vorbei ist an den großen CafeHäusern von MySpace, genug Bewertungen an der Ebay Avenue gesammelt hat, in jedem noch so kleinen Amazon-Marketplace-1-Click-Offer-Shop sein Geld verloren und keine Ware gesehen hat oder wenn man das letzte große Spiel im Maxdome Stadium gesehen hat und auch vom Nachtleben in der YouPorn Gasse genug hat, dann kommt man nach langer Reise mit Einbruch der Dunkelheit ans Ende einer langen kurvenreichen Straße in der ein großes Hochhaus steht.
An einem vereinzelnten Fenster brennt noch Licht. Es ist das Licht im Büro eines jungen Studenten, der anstatt zu feiern, der Frage nachgeht wer denn eigentlich die Web 2.0 Welt zu solch Ruhm und Ehre geführt hat, sei sein Arbeitgeber doch selbst ein großer Pionier dieser Hochphase der Evolution und damit ja verpflichtet auch weiterhin diese voran zu bringen.
Seit einer Woche und zwei Tage verweilt er nun bereits in einer Abteilung die sich nur mit der Zukunft des Systems beschäftigt. Dabei gehört er doch eigentlich gar nicht hier her.
Aus der weitentfernten Galaxie der bereits erwähnten Desktop Programmierianer wurde er hier her versetzt in eine neue, ihm unbekannte, ja fremde Umwelt. Der Kampf durch den Dschungel hat erst begonnen.
Seit seiner Ankunft irrt er nun durch das System auf der Suche nach Accounts und Passwörtern. Jedesmal wenn er einen Schlüssel gefunden hat, tauchte auch sofort wieder eine erneut verschlossene Türe auf. Natürlich liegt der Schlüssel zu dieser Türe stets am entgegengesetzten Ende des Office-Dschungels.
Vorsicht muss man auch bei unerwarteten Angriffen von Mailtieren walten lassen. Dabei sind männliche Spam-Mails noch die ungefährlichsten aller Tiere im Dschungel. Viel gemeiner und heimtückischer sind Meeting-Mails. Gezielt suchen sie langsame und schwache Mitglieder einer Gruppe aus um so leichte Beute zu machen. Wer zu spät zum vereinbarten Sammelpunkt kommt wird entweder sterben, oder aufgrund der gezeigten Schwäche mit Missmutigen Blicken aus der Gruppe verstossen und vertrieben.
Aber sind all diese ersten Gefahren hinter sich gebracht und die Datenbanken mit Schlüsseln gefüllt, so lichtet sich langsam das Dickicht des Dschungels.
Wenn man nun von dem kleinen Büro oben im vierten Stock einen Blick aus dem Fenster wirft, so kann man in der Röte der aufgehenden Sonne die ersten Onlinebürger sehen, wie Sie am anderen Ende der langen Flaniermeile von Web 2.0 ihr del.icio.us Breakfast in einem der Myspace Cafes einnehmen und sich grübelnd fragen wer eigentlich dieser Mr.Wong ist, der immer genau weiß was man in seiner digitalen Zeitung lesen will.