Wir restaurieren einen Kübel. Dieses an sich bereits äußerst waaghalsige Unternehmen verlangt von jedem Einzelnen nicht nur ein Höchstmaß an Konzentration, bares Geld und kilometerweise Schweißdraht – Nein, es fordert Opfer! Das mich dieser Schuhkarton auf vier Rädern allerdings einmal ins Mutlanger Krankenhaus befördern würde, konnte ja keiner ahnen:
Es war so klar. Offensichtlich. Vom Schicksal vorherbestimmt.
Gerade machte ich beim flexen noch Witze über ein Stückchen Drahtbürste, dass sich gestern den Weg in Jans Unterhose gebohrt hatte, nur um kurz danach winselnd wie ein angefahrener Hund am Boden zu liegen. Zur Erklärung: Während ich mich vollends der Schadenfreude hingab, begann MEIN Luxx Drahtbürstenaufsatz eine erstklassige Affäre mit dem Kupplungszug. Den hatte ich – natürlich – beim strippen der Bodengruppe vergessen auszubauen. Er riss also ab, verhedderte sich in dem Bürstenaufsatz nur um mir dann mit voller Wucht in die, also um den… praktisch auf die… auf jeden Fall… die Ostereier zu knacken, die Palme zu fällen, dass… ach, ihr wisst schon.
„Abi warum schreist du so?!?“
„Es hat mir den… also… gnnn… fährst du mich ins Krankenhaus?“
Ich war ja schon wegen vieler dummer Dinge im Krankenhaus. Beim letzten Mal wegen eines Unfalls in einer Hüpfburg (Bänderzerrung – „Ist das auf dem Weg zur Arbeit passiert?“), aber das war, naja… was anderes.
Im Mutlanger Krankenhaus war natürlich Besuchertag und die Empfangshalle voll mit Leuten die mein kleines Unglück absolut nicht zu interessieren hatte. Zum Glück erlöste mich die Empfangsdame: „Hallo, mir ist äääääh beim Schrauben was passiert also….“
„Die Notaufnahme ist im 1.Stock rechts, junger Mann!“
Gerade noch mal Glück gehabt. Die Anmeldedame der Mutlanger „Notaufnahme“ war gerade dabei Auftrag A38 in ihren Computer einzugeben – mit Ohrstöpseln. Alle meine Hilferufe schienen wirkungslos an ihr abzuprallen. Man stelle sich vor mir wäre ernsthaft was passiert. Man stelle sich vor irgendetwas wäre GROSS und BLAU und schmerzhaft! Wann passiert hier eigentlich mal was?
Außer mir befanden sich im Anmelderaum noch Mutter Beimer mit dem klassischen „Ich komm vor dir dran“-Blick und ein Mitte 30er dem die Welt um ihn herum scheinbar egal war – I-Pod seih dank.
Nachdem ich 15 Minuten lang innerlich meinen ungeborenen Enkeln hinter herweinte interessierte sich in der „Notfallannahme“ tatsächlich jemand für den weinerlichen Studenten, der wegen seiner eigenen Blödheit nicht wusste ob er weinen oder lachen sollte.
„Was ist ihnen denn passiert?“
„Ich hab mich beim Schrauben verletzt. Mein Penis ist jetzt so blau und dick angeschwollen….!!!!!“ *Klong* Mutter Beimers Kinnlade lag auf dem Klinikboden. Ihre Gedanken konnte man jetzt auch so lesen: „Er hat doch nicht etwa, nein, um Himmels Willen, er hat doch nicht etwa das P-Wort gesagt… P p p p PENIS!“ Die Anmeldedame sah das eher weniger tragisch: „Na dann… kommen sie mal mit.“ Ha, Nachkommen im Arsch aber wenigstens vor Mutter Beimer drangekommen! Die Schmerzen wurden komischerweise besser, wahrscheinlich war zwischenzeitlich sowieso alles abgestorben.
Im Behandlungszimmer bereitete ich mich innerlich auf den besten, professionellsten und tollsten Urologen dieser Erde vor, der nur darauf gewartet hatte mich wieder heile zu machen. Der George Clooney des Mutlanger Krankenhauses, der Dr. Stefan Frank der Urologenvereinigung, der beste Medizinmann Afrikas! Durch die Tür kam allerdings jemand anderes… jemand ganz anderes… weitaus professioneller und ungleich erfahrener… die Klinikschülerin Jenny W. KLINIKSCHÜLERIN?
„Hallo ich bin die Jenny, ich bin hier Klinikschülerin, was ist ihnen denn passiert?“
Das kann nicht euer Ernst sein… Ich kann doch nicht… Jemand bessern habt ihr nicht? Ich hätte so was sagen sollen wie: „Hallo ich bin der Michael, ich bin Möchtegern Gabestapler und mein Ding ist blau und groß und tut saumäßig weh!“ Ja, das wäre schlagfertig gewesen und hätte sie wahrscheinlich die Pubertät in einem Satz überspringen lassen, doch heraus kam mehr so was wie: „Ja, äh, ich hab mir, also, wehgetan am…“ Was sollte ich auch sagen?
„Ach *hihi* messen wir doch erst einmal den Druck… äh Blutdruck!“
War das jetzt ein schlechter Scherz? Nein? Doch? Das war nicht komisch… „Ah, 90 zu 140… ein bisschen hoch…“ Sag bloß, erstaunlich, dabei ist doch gar nichts passiert… dabei hat sich doch nur EIN KUPPLUNGSSEIL IN MEINEN SCHWANZ GEBOHRT!!! „Wann kommt denn hier endlich mal so etwas wie ein Arzt?“ traute ich mich vorsichtig zu fragen: *klack* Türe geht auf und da war einer, oder zumindest etwas das so aussah. Die erste Frage konnte ich mittlerweile erraten: „Was ist ihnen denn passiert?“ Nur meine Antwort durfte diesmal tatsächlich vollständig aufsagen: „Ein Kupplungsseil hat sich mit voller Wucht um meine Flex gewickelt und ist mir dann gegen die Klöten geknallt und das tut jetzt weh!“ „Aha, ihr Penis schmerzt also.“ „Ja!“ „Dann hohl ich mal den Doktor…“ Wie? Das war jetzt gar nicht der? Wie vielen Leuten muss ich das eigentlich noch erzählen? Klinikschülerin Jenny W. hat inzwischen große Augen bekommen. Ja, das könnte wahrlich ihr erster interessanter Tag in diesem ganzen Praktikum werden. Nach 14 Tagen Praktikums-Flurwischen darf sie sich jetzt um die richtigen Vollidioten kümmern. Mittlerweile stand dann auch die dritte (!) Person im Zimmer. Dieses mal Arzt. Ehrlich. Es stand zumindest auf dem Schildchen.
„Wo tut’s denn weh?“
„Sagen sieh’s ihm?“ blickte ich reumütig zu Pfleger Nummer 1. „Nein…“. Scheiße! „Also mir ist etwas auf meinen… Penis, Glied, bestes Stück, was auch immer geknallt und er wechselt jetzt irgendwie die Farbe, ist ziemlich groß geworden und naja… Aua!“
„Na dann, zeigen sie mal her… aha… jaja… das ist ja nur ein Hämatom… ein großer blauer Fleck… das ist nichts Schlimmes.“ „Nichts Schlimmes? Ja und was mach ich da jetzt?“ „Naja, Kühlen. Hochlegen können sie ihn ja wohl nicht!“ Schenkelklopfer! Pfleger Eins grinst. Profi-Doc kann sich das Lachen auch nicht verkneifen und Jenny… ja, Jenny sagt mittlerweile irgendwie gar nichts mehr. Mein Blutdruck hat sich dafür aber deutlich gebessert!
„Wann geht das denn wieder weg?“
„Naja, das dauert…“
„Doktor, wir haben einen B58 in Raum 21!“ schreit`s durch den Gang. Noch schnell ein „Schönen Tag noch…“ und weg waren sie wieder. Natürlich nicht ohne mir vorher das Formular zur Überweisung einer Notfallgebühr von 10 Euro dazulassen. Hervorragend. Da kriegt man den ganzen Tag auf die Nüsse und darf dann auch noch dafür zahlen.
„Jan, lass uns gehen, die gehen mir hier alle auf die Eier….“
Falls das jetzt irgendjemanden interessiert: Mittlerweile ist wieder alles bestens! Bei mir… und bei dem rostigen Blumenkübel auch. Und ihr wisst gar nicht wie viele Witze man auf Kosten eines solchen „Zwischenfalls“ machen kann…
In diesem Sinne,
Tchibo Boxershorts retten Leben!
Der Hoschy…