Exile in Karlsruhe
Tag 16 – Angefixt
„Nene Uwe, laß mal. Ich fahr mir Jürgen mit“ sagte ich noch und wenig später befand ich mich auch schon auf dem Beifahrersitz von Jürgens 57er Käfer. Irgendwie ungemütlich. Ob´s daran lag, dass meine rechte Arschbacke genau die Position der Eisenschnalle des Simpson 3 Punkt-Gurtes getroffen hatte ? Gut, ich hätte den Gurt auch anlegen können aber für diiie kurze Fahrt vom Treffengelände zum Campingplatz … tz … vollkommen unnötig. Mein rechter Arm fand auch nicht so recht Platz im Innenraum denn irgendwie schaffte es eine Strebe des Käfigs immer mir im Weg zu sein. Egal, solche Gedanken waren schlagartig verflogen als sich Irgendetwas hinter mir in Bewegung setzte. Erst ein kurzes Wimmern vom Anlasser, kurzer Druck auf´s Gas und da war es. Das dieses Irgendwas das in grauer Vorzeit mal ein Käfermotor gewesen sein musste an die 200 PS hat wusste ich schon vorher, dass Jürgen aber zur Gewichtsoptimierung auf sämtliche Dämmmatten verzichtet hat brannte sich erst jetzt in meinen Gehörgang. „Geil“ … zu viel mehr reichten meine Gedanken in der Situation leider nicht. Das Triebwerk musste ständig am Gas gehalten werden, denn Jürgen hatte in seiner „Ich-baue-mir-einen-geilen-Motor“-Liste den Leerlauf wohl vergessen.*klong* … *klack* Gang wurde unüberhörbar eingelegt und wir fuhren tatsächlich … rückwärts aus der Parklücke. Ein paar metallische Geräusche später war dann auch der erste Gang gefunden, die Ampel vor dem Verbindungstunnel zeigte Grün und Jürgen drückte sanft aufs Gas, nein … eigentlich hauchte er es nur an aber es genügte um zu merken warum die Karre Rückenlehnen hat. Hab ich schon erwähnt das wir durch einen Tunnel fuhren ? In Gedanken war ich schon mit Jürgen verheiratet, würde mich nach einem Monat wieder scheiden lassen und die Kiste mitnehmen … SO muss Autofahren klingen! Verdammt … und da vorne war schon der Campingplatz. „Jürgen ähm … du … also da ist ja schon der Campingplatz und … könnten wir nicht noch ein Stück … also du … öhm … fahren“ Ha! Hab ich´s doch gesehen. Jürgen hat gegrinst. Sollte wohl soviel wie „Ja“ heißen, denn statt Rechts zum Campingplatz ging es am Kreisverkehr die zweite Ausfahrt raus vor mir ein gerades Stück Landstraße, gemütliches Cruisen und auf einmal … Stop! Zumindest so was ähnliches, 135er Vorderreifen sind für spontane Überraschungsbremsungen wohl eher ungeeignet. Trotzdem standen wir … und ehe ich mir ganz darüber im klaren war stand die Drehzahl auch schon bei 5000. Ich bekam noch mit wie ein Gang eingelegt wurde, die Kupplung fatzen gelassen und KRASS !!! Das was 135er Vorderräder mehr schlecht als recht einbremsen können, scheiben die 205er Hinterwalzen ganz schön an. Besser ausgedrückt: VERDAMMT! Das fühlt sich an als würden einen zwei Dutzend brasilianische Fußballer gleichzeitig in den Arsch treten! Mein Kopf macht sich auf den Weg in Richtung Rücksitzbank … nächstesmal sollte ich meine Nackenmuskeln anspannen bevor Jürgen auf die Idee kommt bei lockeren 8000 in den zweiten Gang zu schalten. Der ist vollbeschäftigt die Karre auf der Straße zu halten. Lenken, kurbeln, machen, auf die Straße schauen im Kopf noch mal die Getriebeübersetzung durchgehen und eigentlich sollte man laut Drehzahlmesser schon im dritten Gang sein. Ich sitze nebendran, staune und habe ein Grinsen im Gesicht breit wie 3 Meter Feldweg. DAS ist Autofahren, genau das. Kein Wischi-Waschi „Mein-ESP-wird’s-schon-richten“- Autofahren, nein. Das muss laut sein, und ungehobelt, und vor allem … schnell. Leider tauchte dann irgendwo bei 100 km/h ne Kurve auf und … 135er Vorderreifen … jaja. Normalerweise geht´s auf der Viertelmeile ja auch geradeaus. Egal, die Kurve wurde irgendwie geschafft und endlich hatte ich mal Zeit Luft zu holen und die Schweißperlen auf meiner Stirn zu bemerken.
Tja und jetzt … sitz ich hier und bin heftig damit beschäftigt meine nicht vorhandenen Zukunftspläne radikal zu ändern. Ich glaube ich werde in meinem Leben noch ganz schön viel Öl an den Fingern haben. Man sieht sich in Spa!
